Textgewächs

Es grünet, blüht, gedeiht & wächst              
an manchen Tagen guter Text,
an anderen, es ist verhext,
so schlechter, dass du dich erschreckst.
Da sitzt du nun, mit Text bekleckst,
statt Ruhm, und kleine Brötchen bäckst
du weiter, bist du echt verreckst,
weil du in dieser Mühle steckst.

©Reimerlei 2012


Unhappy

Das hätte was, Unhappy End,                       
und sei es nur das Ende.
Gern wäre ich von Dir getrennt
und starrte an die Wände.

Das hätte was, solch Seelenpein,
und wären‘s nur Gefühle.
Gern dächte ich mit Schmerzen Dein
und würd‘ es mir auch schwüle.

Der hätte was, der Neubeginn,
und sei es nur ein Anfang.
Gern schmisse ich die Brocken hin,
allein, es ist ein Angang.

Hättest Du nicht, ich hätte doch,
wir hatten uns mal lieber.
Jetzt ist im Herz ein trübes Loch
von größerem Kaliber.

Ich hätte dich, Du hättest mich
auf Händen einst getragen.
Unhappy End ist fürchterlich,
darum will ich es wagen.

Das hätte was, Unhappy End,
und sei es nur die Wende.
Und haben wir genug geflennt,
wird es ein Happy Ende.

©Reimerlei 2012


Kleine Nestbeschmutzerei

Luise und Leonhard sähen sehr gerne
ihre Verwandten nur aus der Ferne.
Die wohnen alle in Wuppertal
und sie zu besuchen ist richtig brutal.

Opa Oswald haust oben in Cronenberg
mies gelaunt wie ein giftiger Gartenzwerg,
weshalb ein Besuch dort nie lange dauert
und er schnellstens wieder allein versauert.

Nun weiter nach Beyenburg  zu Tante Ruth,
die immerzu freundlich und gutmütig tut,
Stilles Wasser und steinharte Kekse kredenzt,
was meist die Verweildauer deutlich begrenzt.

In Vohwinkel ist es leider nicht besser,
da wetzt Oma Erna erfreut ihre Messer
wem wird sie wohl nach dem Leben trachten,
den Besuch oder lieber die Hühner schlachten?

Da bleibt nur die Flucht rein nach Elberfeld,
dort wird bei Onkel Hubertus geschellt.
Der aber ist meistens nicht anzutreffen,
er hasst Kinder, besonders die Nichten und Neffen.

Auf nach Ronsdorf. Da wohnt die stadtbekannte
bei den Herren besonders beliebte Tante
mit dem klangvollen Künstlernamen Colette –
leider liegt sie just nicht alleine im Bette.

Also heißt es nun schleunigst weitersausen
zur Urgroßmutter nach Heckinghausen
ins Altenheim zu den Tattergreisen
um – igitt! – kalte Hafergrütze zu speisen.

Schon droht eine weitere peinliche Qual:
Opa Hans und sein Häuschen am Uellendahl,
traulich dicht an der Autobahnauffahrt gebaut.
Vom Verkehrslärm stocktaub findet er es nicht laut.

Zu guter Letzt wird nach Barmen geschwebt,
wo Tante Edda in aller Bescheidenheit lebt,
nicht nur derbe nach Zigarettenrauch stinkt,
sondern auch nach dem Fusel, den sie gerne trinkt.

Es liegt sozusagen ein Wupperfluch
auf jedem verdammten Verwandtenbesuch
Darum sähen Luise und Leonhard gerne
Wuppertäler  und –berge nur aus der Ferne.

©Reimerlei 2011


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